Hanoi, mein real gewordener Asien-Reisetraum

Unsere Ankunft in Hanoi gleicht einem kleinem tropischen Sturm. Als wir aus dem Bus aussteigen, werden wir sofort von einem Dutzend penetranter Schlepper, Moto- und Taxifahrer vollgequatscht, genervt, angegrapscht. Der Busbahnhof ist wie ein Bienennest, Hunderte von Fahrzeugen stehen und fahren kreuz und quer und machen eine Orientierung unmöglich. Ok, Augen zu und durch. Und bloß schnell weg hier!

Good morning Vietnam!

Hanoi ist das Kontrastprogramm zum schläfrigen und langsamen Laos. Chaotisch, geschäftig, energiegeladen und ständig in Bewegung. Hier muss man erstmal klarkommen!

Und trotzdem – oder vielleicht deswegen – weiss ich nach 5 Minuten, dass ich diese Stadt absolut bombastisch finde.

Hanoi ist anders, als alle anderen Städte, die ich bisher gesehen habe. Die Altstadt ist ein verwirrendes Labyrinth aus Straßen und vielen kleinen Gässchen, durch die nur Roller passen. Viele alte Häuser im französischen Kolonialstil sind überwuchert von Topfpflanzen, ein enormer Kabelsalat aus Stromleitungen erstreckt sich über die Straßen, Kilometer von behangenen Wäscheleinen spannen sich über Balkonen.

Die Straßen pulsieren vor Leben und Bewegung. Alles, wirklich alles passiert auf den Straßen und Bürgersteigen. Straßenverkäufer mit landestypischen Hüten bieten ihre Waren an, Garküchen werden ausgebreitet, Essen wird vorbereitet und verkauft, Geschirr gespült, Menschen reparieren ihre Motos, klönen, machen Siesta, trinken Kaffee…

 

Oh ja, der Kaffee…. der ist hier eine Offenbarung. Nichts ist so wie es mal war, nachdem man zum ersten Mal vietnamesischen Kaffee probiert hat. Er ist sehr stark, fast dickflüssig, und hat ein leicht süßliches, schokoladig-nussiges Aroma. Die Vietnamesen trinken ihn am liebsten mit süßer Kondensmilch und Eiswürfeln. Er ist mit nichts, wirklich nichts vergleichbar. Vietnam-Coffee ist für mich das kulinarische Highlight meines Asien-Trips. Alleine deswegen lohnt es sich, nach Vietnam zu kommen!

Die Vietnamesen lieben es, in draußen-Cafés und Bars abzuhängen. An jeder Ecke sieht man gut aussehende, stylishe Leute, die auf winzigen Hockern auf den Bürgersteigen sitzen und Kaffee, Zitronentee oder Bia Hoi, ein günstiges, frisch gezapftes Bier, trinken. Sehen und gesehen werden geht nirgendwo besser als in der Altstadt von Hanoi.

Die Dichte an Motos ist unfassbar hier. So etwas habe ich in ganz Asien nicht gesehen. Jeder Einwohner scheint ein Moto zu haben, alle fahren kreuz und quer, es gibt kein System, totales Chaos. Eigentlich müsste es andauernd krachen, aber es passiert nichts. Die Leute wissen wir man das Ding im dichtesten Verkehr sicher manövriert. Für einen Fußgänger ist die Überquerung einer Straße eine Kunst.  Warten auf eine Lücke? Vergebliche Liebesmüh! Der Verkehr fließt pausenlos. Nach einiger Zeit habe ich jedoch herausgefunden wie es geht, ohne wie als platter Käfer an einer Windschutzscheibe zu enden. Man läuft einfach los, ganz langsam. Bloss nicht die Geschwindigkeit plötzlich ändern! Auf diese Weise haben die Moto-Fahrer genug Zeit, um einzuschätzen, ob sie links oder rechts an mir vorbei fahren.

Die Vietnamesen sind ein spezielles Volk. Vietnam ist ein für Südostasien-Verhältnisse weit entwickeltes Land, aber die meisten Vietnamesen sprechen null Englisch. Ihre Sprache klingt abgehackt, fasst aggressiv, sie reden laut, es klingt fast so, als ob sie sich streiten würden. Manche Leute sind total unfreundlich und pampig, wenn man sie was fragt oder was von ihnen will. Andere sind hingegen so nett und hilfsbereit, dass man ihnen um den Hals fallen will. Es ist jetzt schon klar: Vietnam wird interessant!

Hanoi ist eine wunderbare, interessante Vermischung aus dem alten und modernen Asien. Einige Dinge scheinen seit Jahrzehnten unverändert. Wie zum Beispiel, die Art sich zu kleiden und Waren zu verkaufen. Frauen in konischen Hüten tragen einen Bambusstamm auf der Schulter, von deren Enden zwei Bambuskörbe mir Mangos, Snacks und anderen undefinierbaren Dingen baumeln. Auf der anderen Seite sieht man überall super stylishe, schicke und sehr westlich gekleidete Leute. Mit Highheels auf dem Roller? Normal! Abseits der Altstadt findet man überall Geschäfte mit westlichen Marken, elegante Hotels, teure Kunst-Galerien. Hanoi ist extrem sauber, modern und traditionell zugleich. Dieser Mix macht die Stadt so faszinierend für mich.

Ja, Hanoi hat auch die typischen City-Sights, wie Museen, Tempel oder den Ho-Chi-Minh-Komplex, mit dem Mausoleum, in dem „Uncle Ho“ in Frieden ruht. Für mich nicht so spannend, aber man bekommt eine Ahnung, wie sehr der kommunistische Führer in diesem Land noch verehrt wird.

Hanoi

 

Ganz nett, aber die wahre Sehenswürdigkeit von Hanoi sind für mich die Straßen der Altstadt.

Kein Zweifel, Hanoi ist das Asien, von dem ich geträumt habe.